Real Persons

Das Konzept Realer Personen entstammt der trialektischen Variation vieler nativ-amerikanischer Metaphysiken, wonach Phänomena der belebten Welt konkrete (tangible) vs. abstrakte (intangible) Aspekte besitzen, welche in ungestörtem Zustand sich in einem Zustand der Harmonie befinden (well balanced sind, oft übersetzt als "real", "schön" u.dgl.).


Man beachte, daß hiermit, anstelle der weitverbreiteten Trichotomie dreier ontologisierter Entitäten Körper (sô·ma) vs. Seele (psyché·) vs. Geist (noûs), eine Dichotomie von nicht zu “Entitäten” ontologisierten bloßen “Aspekten” sowie einer Relation zwischen beiden gesetzt wird.


Entscheidend dabei ist, daß diese balanced relation nicht zu einer Qualia oder vergleichbaren Konzepten ontologisiert wird, was nämlich implizierte, daß Wahrnehmung noch als physische Funktion (“objektive Sphäre”) und Empfindung schon als psychische/geistige Funktion gesehen würde. Nur: diese Bereiche “subjektive Sphäre”) entstehen ebenfalls durch Handlungsvollzug enaktivistisch gesprochen), also performativ (diskursanalytisch gesprochen).


Krankheit in der nativ-amerikanischen Metaphysik

Wird diese Harmonie gestört, so hat dies Unheil zu Folge, was bei Personen dazu führt, daß sie aus dem Gleichgewicht geraten (imbalanced werden).


Dies entspricht einem Krankheitsbegriff, wobei keinerlei Unterscheidung von somatischen vs. psychischen Krankheiten zu machen ist. Schließlich besteht demnach die Krankheit in einer gestörten Relation zwischen "Physis" und "Geist", auch wenn für Laien erkennbare Störungen auf Seiten von einer von beiden oder auch auf beiden Seiten vorliegen.


Das Erkennen der gestörten Balance ("Physis-Geist-Relation"), das Auffinden von Ursachen dafür und deren Heilung sind Aufgabe von Spezialisten.


Erkenntnistheoretisch ist die Blackfoot-Variante insofern interessant, als sie — um Spinozas psychophysischen Parallelismus ordo est connexio idearum idem est ac ordo et connexio rerum "die Ordnung und Verknüpfung der Ideen ist dieselbe wie die Ordnung und Verknüpfung der Dinge"(Ethik II, Lehrsatz 7) aufzugreifen — ideae "Ideen", intangible aspects) und res ("Dinge", tangible aspects) als komplementäre Aspekte derselben Phänomena aufzufassen erlaubt.


Mithin ist es nicht nötig, zwischen einem extremen Optimismus (der Art: Erkenntnisse/Ideen über "Dinge" ergeben sich von selbst aus den "Dingen an und für sich") und einem extremen Pessimismus (der Art: Erkenntnisse reproduzieren lediglich ihre eigenen Voraussetzungen während zu den "Dingen an und für sich" keinerlei Zugang besteht) zu schwanken.


In dieser Komplementarität bzw. genauer der Relationalisierung, die der Begriff der balance impliziert unterscheidet sich die Blackfoot-Philosophie leicht von der Navajo-Philosophie, die mehr eine Prozeßhaftigkeit in den Vordergrund stellt, indem sie zwischen inneren und äußeren Formen unterscheidet, wobei erstere den letzteren vorauszugehen haben.



© 1999 - 2011 by Anna und Heike Boedeker